Als einer der wahrhaftigen Protagonisten der Bob-Szene pflegt Phil Woods bereits seit Mitte der 50er-Jahre seinen eigenen Sound und wich während einer bemerkenswerten, äußerst produktiven Karriere niemals davon ab. Es besteht kein Zweifel, dass dieser Mann einer der besten lebenden Alt-Saxofonisten überhaupt ist, der weder seinen Enthusiasmus noch seine Kreativität im Laufe der Jahre verlor.
Woods erstes Saxofon wurde ihm vom Vater überlassen. Er war zwölf Jahre alt, als er ernsthaft mit dem Üben begann. Bis 1948 lernte und spielte er in seiner Heimat, dann zog es ihn nach New York. Dort studierte der Ausnahmemusiker zusammen mit Lennie Tristano an der Manhattan School Of Musik und Juilliard Klarinette im Hauptfach. Er arbeitete mit Charlie Barnet (1954), Jimmy Raney (1955), George Wallington, Buddy Rich (1958-59), Quincy Jones (1959-61) und Benny Goodman (während BG's berühmter 1962er-Tour durch die Sowietunion), führte aber seit 1955 hauptsächlich eigene Gruppen, inklusive der Teilleitung einer Kombo mit seinem Passions-Genossen, dem Altsaxofonisten Gene Quill, in den 50ern, die folgerichtig "Phil & Quill" hieß.
Woods, der in den 50er-Jahren Charlie Parkers Ex-Frau Chan heiratete (und so der Stiefvater von Sängerin Kim Parker wurde), wurde nicht zuletzt aufgrund seiner brillanten Bob-Darbietungen auch "The New Bird" (Charlie Parkers Spitznahme war "Bird") genannt, aber er klang niemals wirklich wie eine Kopie der Legende.
Phil Woods tauchte in den 60er-Jahren bei einer Vielzahl von Aufnahmen auf, so zum Beispiel auf Benny Carter's Klassiker-Album Further Definitions. Er tourte mit dem kurzlebigen Thelonious Monk Nonet und erschien bei Studioterminen für u.a. die Soundtracks von "The Hustler" und "Blow Up". Beständig auch an der Lehre interessiert (obwohl er früher eigentlich der Meinung war, der bessere Weg zu lernen sei auf Reisen bei unaufhörlichen Gigs), unterrichtete Woods von 1964 bis 1967 auf einem Künstler-Sommercamp in Pennsylvania. Von der amerikanischen Jazzszene ermüdet zog es ihn 1968 nach Frankreich. In den nächsten Jahren leitete Woods mit der European Rhythm Machine eine äußerst moderne Kombo mit Hang zur Avantgarde, wo auch der Pianist George Gruntz in die Tasten griff. Die Aufnahmen der Formation klingen noch heute aufregend und frisch, obwohl dieses Wagnis für Woods Bebop-Leben nur als kleiner Umweg zu werten ist. 1972 ging Phil Woods zurück in die USA und versuchte sich mit mäßigem Erfolg an der Leitung einer Electronic Group, in der auch Keyboarder Pete Robinson spielte.
Viel erfolgreicher war Phil Woods 1973, als er mit dem Pianisten Mike Melillo, dem Bassisten Steve Gilmore, dem Schlagzeuger Bill Goodwin und dem Gitarristen Harry Leahey ein Quinett formte. Die Platte Live at the Showboat war der offizielle Durchbruch für die Formation, welche noch heute, obgleich personell mehrmals verändert, um die Welt tourt. Nach dem Ausscheiden von Leahey im Jahre 1978 hieß die Gruppe solange The Phil Woods Quartet, bis Trompeter Tom Harrell hinzu stieß (1983-1989). Sein Platz wurde später von Posaunist Hal Crook (1989-92) und Trompeter Brian Lynch eingenommen. Pianist Melillo ging 1980, seine Nachfolger waren Hal Galper (1980-90), Jim McNeely (1990-95) and Bill Charlap. Die Gründungsmitglieder Gilmore und Goodwin sind bis heute dabei geblieben.
Woods Ensembles waren niemals auf Bebop festgelegt, sondern entwickelten ihr eigenes Repertoire, nutzten viele ihrer Chancen und vergaßen nie, auch zur Seite zu blicken, ohne aber Woods' geradlinigen Weg zu verlassen.
URL: www.philwoods.com