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Der Kölner Trompeter Rüdiger Baldauf gehört zu den meistbeschäftigten Trompetern Deutschlands. Er erzählt uns über seine Arbeit bei “TV Total“, Highlights mit Ray Charles und James Brown und den nicht ganz einfachen Balanceakt des Trompeters, klassische Musik und Jazz unter einen Hut zu bringen.
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Rüdiger, mit der “TV Total“-Band Heavytones spielst Du viermal pro Woche vor Millionenpublikum. Ist das nicht manchmal stressig?
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Ja, schon, aber im Vergleich zu meinem Leben vor “TV Total“, wo ich in manchen Jahren auf den Strassen Europas von Gig zu Gig gerast bin und bis zu 70’000 Kilometer hingelegt habe, wäre meine Antwort wohl eher "Nein". Es gibt Shows, die völlig relaxt ablaufen und auch für uns Musiker Routine sind. Der Tag sieht dann etwa so aus:
Probe um 12.30. Meist kommen zwei Gäste, für die wir passende Jingles aussuchen. Ein Parodist bekommt z.B. einen eher lustigen Jingle, ein Schauspieler ein zu seiner Rolle passendes musikalisches Entree, ein Playmate vielleicht "Hey Sexy Lady" und so weiter. Dann brauchen wir noch zwei Werbe-Jingles. Der erste ist meistens eher Chart orientiert, den zweiten wählen wir nach unserem persönlichen Geschmack aus. Dies alles wird bei uns im Keller geprobt, dann folgt um 15.00 die Generalprobe im “TV Total“-Studio. Um 18.00 beginnt das Warm-Up, das Stefan immer selbst mit uns vornimmt. Danach beginnt die Show. Die ist nicht wirklich stressig, wenn, dann eher mental - wir sind jetzt bei Show Nr.1100. Langweilig ist es trotzdem nicht, da die Musik für alle Musiker anspruchsvoll zu spielen ist und alle aufmerksam bleiben müssen. Hinzu kommt, dass wir öfters auch mit Weltstars spielen, dieses Jahr etwa mit Michael Bublé, Joss Stone oder Joe Cocker. Das sind immer wieder Highlights, die uns fürs "Tagesgeschäft" motivieren.
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Wie sieht Dein Wochenprogramm etwa aus?
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Trotz vieler Anfragen gebe ich nur 3 Privatstunden pro Woche, mehr schaffe ich nicht. Daneben mache ich gelegentlich auch Studiojobs. Montag bis Donnerstag stehen im Zeichen von “TV Total“, manchmal arbeite ich parallel in Big Bands, mit Konzerten am Wochenende. Allerdings müssen die Angebote am Wochenende schon sehr gut sein, sonst bleibe ich lieber bei meiner Familie, denn die muss mich schon genug entbehren.
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Hast Du überhaupt noch Zeit für andere Musikprojekte?
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Ja, ich nehme mir einfach die Zeit. Ich habe viel mit der WDR Big Band gespielt , ich bin Mitglied im Orchester Paul Kuhn, spiele immer noch Konzerte mit dem United Jazz & Rock Ensemble und der Joo Kraus Basic Jazz Lounge, und letztes Jahr habe ich bei der DVD-Produktion von Seals "One Night to Remember" im Orchester mitgespielt.
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Was sind zurzeit Deine Hauptprojekte?
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Mein Hauptfokus liegt auf den Heavytones, mit denen wir gerade unsere zweite CD vorbereiten. Ich werde als Texter und Horns-Arrangeur involviert sein. Wir entwickeln alle Konzepte gemeinsam und jeder Musiker bringt seine Inputs in die Band. Zudem spielen wir auch Live-Konzerte in Deutschland und der Schweiz. Wir sind sehr froh, dass wir bei unseren Konzerten in Zürich und Luzern so gut angekommen sind. Wir werden gerne wiederkommen!
Mein zweites grosses Projekt sind meine Workshops. Ich gebe 2007 insgesamt 15 Seminare der verschiedensten Art im deutschsprachigen Raum. Manchmal in Zusammenarbeit mit Andy Haderer oder Ack van Rooyen, meistens aber alleine. Die Seminare können von 2 Stunden bis zu einer Woche dauern. Ich coache Brass Ensembles, Big Bands, Combos und natürlich Trompeter – und spiele ab und zu beim Abschlusskonzert als Gastsolist mit.
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Übst Du noch?
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Ich übe leider sehr wenig am Notenständer, dafür sehr viel mental. Ich denke eigentlich ständig über Musik nach, suche nach Verbesserungen in meinem Trompetenspiel. Meine eigenen Workshops sind auch immer ein Update für mich und meine Fähigkeiten. Kann ich das, was ich als Lehrer verbreite, vertreten? Bin ich als Spieler gut genug, um die Seminarteilnehmer von meiner Methode und Person zu überzeugen?
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Du bist in der Klassik ebenso zuhause wie im Jazz oder Pop. Wie geht das zusammen?
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Ich habe Klassik bis zum Konzertexamen studiert, aber ich habe nicht mehr die Leichtigkeit eines klassischen Spielers, die verliert man im Laufe der Zeit durch die grobmotorische Ausarbeitung der Muskulatur, die für den Jazz und Pop erforderlich ist. Die feinmotorische Spieltechnik der klassischen Musik leidet darunter. Mit viel Mühe kann ich die eine oder andere Technik durch Üben zurückholen. Aber die Ausflüge in die klassische Musik werden immer beschwerlicher. Für spartenübergreifende Werke wie die West Side Story von Bernstein oder ähnliches ist meine Spielweise allerdings gut geeignet.
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Was war Dein grösster Moment als Trompeter?
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Ich habe ein Konzert mit George Duke und Patty Austin als Lead-Trompeter der WDR Big Band in Montreux gespielt. Ich bin ein grosser Fan von George Duke, und mit ihm auf der Bühne zu stehen war ein wahnsinnig bewegender Moment. Auch die Konzerte mit Ray Charles, Seal und natürlich James Brown bei “TV Total“ sind mir noch lebhaft in Erinnerung (die Videoclips zu diesen Konzerten sind auf der Heavytones-Website zu sehen, Anm. d. Redaktion).
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Was ist Dein Hauptanspruch als Musiker?
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Bei aller erforderlichen Kommerzialität darf eines nicht verloren gehen:
der persönliche Anspruch an die Musik und der Spass am Spielen. Das Herz muss am rechten Fleck bleiben. Für mich ist Musik kein Beruf, sondern eine Passion. Ich darf dieser Passion nachgehen, das ist eine grosse Ehre.
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Welche Platten hörst Du zur Inspiration?
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Chet Bakers "She Was too Good to Me", Count Basies "Live at the Sands", alle Alben von Jamiroquai und Prince, R. Strauss’ "Alpensinfonie", Kenny Wheelers "Music for Large & Small Ensemble", Earth Wind & Fires "Faces", Michael Bublé, Red Hot Chili Peppers...
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Was sind Deine Gründe Yamaha zu spielen?
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Fantastische Intonation und Verarbeitung sowie eine sehr gute Ansprache unterstützen meinen Sound. Hinzu kommt die hervorragende Betreuung durch Thomas Lubitz und Eddy Veith vom Entwicklungszentrum Neu Isenburg in Deutschland.
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Welche Modelle spielst Du?
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Die Xeno New York Artist Serie. Das Flügelhorn ist ein Prototyp und noch nicht im Handel erhältlich. Das letzte Heavytones-Konzert habe ich auf Till Brönners Trompete gespielt, er war mit seinem Trio auf derselben Veranstaltung zu Gast. Wir kennen und schätzen uns schon seit vielen Jahren. Die Trompete klingt fantastisch. Ich werde in Zukunft sicher auch auf seinem T.B. Yamaha-Modell spielen.
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Auswahl-Diskografie:
Seal "One Night to Remember" DVD (2006)
No Angels "When the Angels Swing" (2002) CD und DVD
Udo Jürgens “Es lebe das Laster” (2002)
SWR Big Band “Feat. Bob Florence” (2001)
Wolfgang Haffner “Urban Life” (1999)
Eddie Harris und Pretty Purdie "Soul to Jazz" (1997)
WDR Big Band feat. John Scofield “East Coast Blow” (1986)
Gianna Nannini “Profumo” (1984)
weitere Infos
www.heavytones.de
www.Horns-Unlimited.de
www.kuenstlerheim.com
Interview Download als PDF Dokument
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