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Jedes Drumset widerspiegelt eine andere Persönlichkeit
Billy Cobham ist einer der berühmtesten und einflussreichsten Schlagzeuger der Gegenwart. Er hat Jazzlegenden wie Miles Davis und Horace Silver begleitet und mit dem Mahavishnu Orchestra und seinen eigenen Bands eine zentrale Rolle in der Jazz-Rock Fusion der 1970er-Jahre gespielt. Cobhams einzigartiger und kraftvoller Stil zwischen Jazz, Rock und Funk hat Generationen von Musikern aus allen Genres inspiriert.
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Billy Cobham, wie hat alles angefangen?
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Ich wurde in eine Musikerfamilie in Colon (Panama) geboren. Mein Vater war Pianist, meine Mutter Sängerin. Meine Grossmutter war ebenfalls Sängerin und meine Cousins bauten Latin Percussion-Instrumente wie Timbales und Congas, sie spielten also auch Musik. Musik war immer schon da. Tag und Nacht. Vor allem Folklorico und Jazz.
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Was ist in Deinen Augen wichtig, wenn jemand Musiker werden will? Was sollte der Hauptfokus sein?
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Ich denke als junger Musiker sollte man viel Musik hören und versuchen, sich diese Musik einzuverleiben. “Learning from the masters”, wie man so schön sagt.
Zusätzlich erachte ich es als wichtig, die gehörte Musik auch auf den Notizblock übersetzen zu können, damit man auch sehen kann, was man hört. Das geht am besten, wenn man Klavier spielen lernt. Man lernt Noten lesen und Rhythmen verstehen. Was wir als Drummer am meisten brauchen, ist im Klavierspiel vorhanden.
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Was und wie hast Du in Deinen jungen Jahren geübt? Wie sieht das heute bei Dir aus?
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Ich habe wann immer möglich Rudiments geübt, Fundamentales also. Ich tat das bis weit in meine professionelle Karriere hinein, bis ich das Gefühl hatte, dass das Üben kontraproduktiv wurde. An diesem Punkt wurden die Schlagzeugstöcke so etwas wie eine mentale “Kette mit Bleikugel”. Ich versuchte daher, eine Zeit lang keine Konzerte zu spielen und rührte kein Perkussionsinstrument mehr an, um herauszufinden, ob ich für das nächste Konzert einfach wieder aufs Fahrrad steigen” und spielen konnte. Dieses Experiment öffnete ganz neue mentale Türen. Wenn Du mich heute an einem Konzert spielen siehst, tue ich immer beides in einem: üben und performen. Das gibt mir die Möglichkeit, in Echtzeit zu experimentieren.
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Was waren die wichtigsten Dinge, die Du von Miles Davis gelernt hast?
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Sei ein unabhängiger Denker.
Sei für Deine eigene Meinung selbst verantwortlich.
Schau nie zurück auf Dinge, die Du nicht verändern kannst.
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Was heisst ‘playing in the pocket’? Was ist das Geheimnis hinter einem Groove wie in “Red Baron” oder “Stratus”?
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Wenn ein Drummer “in the pocket” spielt, dann spielt er den Groove stressfrei und voll in der Musik eingebettet. Er ist im Einklang mit dem musikalischen Umfeld und in Kontrolle der Situation. Wenn Du mental relaxt und gleichzeitig konzentriert bist, kann eigentlich nichts schief gehen.
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Ich habe kürzlich ein Video von 1968 mit Dir und Horace Silver gesehen. Du spielst virtuosen, leichtfüssigen Jazz – auf einem sehr kleinen Drumset! Was hat Dich dazu bewogen, zu den riesigen Drumsets zu wechseln, für die Du später so berühmt wurdest?
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Nun, jedes Drumset widerspiegelt eine andere musikalische Persönlichkeit, je nach musikalischer Situation. Als ich mit Horace Silver arbeitete, war das kleine Jazz-Set genau richtig für diesen musikalischen Kontext. Als ich dann mit anderen Musikern spielte, war dies nicht unbedingt der Fall. Ich behalte stets einen Fuss im Jazzbereich, wenn ich mich auf musikalische Experimentalreisen begebe. Aber mein Credo ist es, in verschiedenen musikalischen Umgebungen heimisch zu werden und so zu spielen, als ob ich in sie hinein geboren wäre. Es ist diese Idee, die mich dazu antreibt, immer neues auszuprobieren. Und darum habe ich in den 70ern meine Drumsetgrösse nach oben hin angepasst.
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Auswahl/Diskografie:
Miles Davis “On the Corner” (CBS)
Miles Davis “Live Evil” (CBS)
Miles Davis “Bitches Brew” (CBS)
Mahavishnu Orchestra “Inner Mounting Flame” (CBS)
Mahavishnu Orchestra “Birds of Fire” (CBS)
Santana/McLaughlin “Love Devotion Surrender” (CBS)
Peter Gabriel “Passion” (Real World)
Billy Cobham “Spectrum” (WEA)
Billy Cobham “Crosswind” (WEA)
Billy Cobham “A Funky Thide Of Things” (WEA)
George Benson “White Rabbit” (CTI)
Gil Evans “Live at the Public Theater” (Trio/Japan)
Quincy Jones “The Anderson Tapes” (A&M)
Brothers Johnson “Lookout for Number One” (A&M)
Les McCann “Invitation To Openness” (Atlantic)
Miroslav Vitous “Purple” (CBS)
Ray Barretto “The Other Road” (Fania)
Stanley Clarke “School Days” (Epic)
McCoy Tyner “Fly With The Wind” (Milestone)
Sonny Rollins “Don’t Stop The Carnival” (Milestone)
Freddie Hubbard “Sky Dive” (CTI)
Grover Washington “All The King’s Horses” (CTI)
Stanley Clarke, Larry Carlton, Billy Cobham, Najee “Live at the Greek” (Epic)
weitere Infos
www.billycobham.com
Interview Download als PDF Dokument
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