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Der kanadische Gitarrist Dave Goodman spielte sich zu Beginn seiner Karriere quer durch Kanada, hielt im Wave Waikiki in Hawaii Sessions mit David Sanborn und Was Not Was und zog dann nach Kalifornien weiter, wo er sich in der Bay Area einen Namen als Bluesgitarrist machte. Nach einer Phase der Neuorientierung landete Goodman schliesslich in Deutschland, wo er als Singer-Songwriter die Ausdrucksform gefunden hat, die seinen musikalischen Visionen am besten entsprach.

Dave, was hat Dich dazu bewogen, allein mit Deiner Gitarre aufzutreten – ohne Verstärker oder Band im Rücken?

An einem Punkt in meiner Karriere merkte ich, dass ich zwar in allerlei Projekten und Stilen zuhause war, aber als Musiker überhaupt keinen eigenen Ausdruck gefunden hatte. Auch war mir aufgefallen, dass vor allem Gitarristen an meine Konzerte kamen. Ich wollte aber auch andere Menschen mit meiner Musik erreichen. Der Entschluss, auf die akustische Gitarre umzusteigen, war geprägt von dem Willen, meinen Bezug zur Musik zu überdenken und auch Altbewährtes über Bord zu werfen. Das war anfangs sehr schwierig. Nach ein paar Monaten jedoch flogen mir plötzlich Songs zu, die einfacher und persönlicher waren als je zuvor. Auch begann sich meine Stimme zu entwickeln und in ganz neuer Weise mit dem Klang der Gitarre zu harmonieren. Ich stand am Tor zu einer anderen Klangwelt.

 

Auf das Spielen bezogen, was sind die Hauptunterschiede zwischen elektrischer und akustischer Gitarre?

Ein offensichtlicher Unterschied liegt in der Muskelkraft, die entwickelt werden muss, wenn man auf die akustische Gitarre umsteigt. Die akustische Gitarre erzeugt ihren Klang ohne Verstärkung, das heisst Dynamik, Volumen und Spielintensität sind sozusagen „hand made“. Das macht das akustische Spielen für mich so anders und persönlich.

 

Welche Gitarristen hörst Du zur Inspiration?

Wes Montgomery, Pat Metheney, Lightning Hawkins, Robert Johnson und Blind Arthur Blake, um nur ein paar zu nennen. Was mich an Wes Montgomery besonders fasziniert, ist die Lebendigkeit seiner Musik. Wenn er spielte, kam jeder Ton mit einer unglaublichen Dringlichkeit und Natürlichkeit herüber. Er war ein grosser Bebop-Musiker mit einem soliden theoretischen Wissen, aber wenn er die Bühne betrat, kam die Musik direkt vom Herzen her, und das ist das Wichtigste überhaupt. Als Singer-Songwriter ist natürlich auch Bob Dylan eine grosse Inspiration. Er ist das Paradebeispiel eines Musikers, der unglaubliche Musik geschaffen hat, ohne ein Virtuose zu sein. Es ist die ehrliche, menschliche Qualität, die Dylans Musik so aussergewöhnlich macht.

 

Heute sind Live-Shows von Bands oft „perfekt“ durchgeplant. Es fehlt aber an jeglicher Spontanität. Was macht für Dich ein Konzert zum echten Erlebnis anstatt zur Vortragsübung?

Als Performer möchte ich beim Spielen vor allem eins: im Moment sein. Ich kenne meine Songs, aber ich möchte ihnen bei jedem Konzert eine improvisatorische Qualität verleihen. Ich möchte mit dem Publikum kommunizieren, und das bedeutet gerade nicht, meine Songs einfach perfekt runterzuspielen. Sonst könnte ich dem Publikum ja gleich eine CD vorsetzen. Wenn Du auf der Bühne bist und die Musik geschehen lässt, nimmst Du das Publikum mit auf eine Reise. Es nimmt Teil an deinen Risiken, es fühlt mit Dir, im Moment des Geschehens. Das sind die magischen Momente.

 

Was macht Deines Erachtens einen guten Gitarristen aus?

Das Wichtigste ist ein Gespür für die Musik, die man spielt. Das führt zurück zum Thema ihrer technischen Perfektion gegenüber ihrer sinnlichen und emotionalen Qualität. Musik ist meistens dann am schönsten, wenn wir ihr nicht im Weg stehen, sondern sie geschehen lassen.

 

Equipment
Yamaha LL36, LS36, APX900 und CPX15 mit ART Pick-ups.

Discography

  • Dave Goodman, Rocks, Skies & Waters, 2003
  • Dave Goodman, Roadbook Rhymes, 2000
  • Various Artists, Even More Bay Area Blues, 1997
  • Dave Goodman Band, Live ‘96, 1996
  • Various Artists, S.F. Blues Guitar Summit Vol. II, 1993


weitere Infos
www.dave-goodman.info

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