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Mit der Berner Band Lunik steht Jaël am Rand des Mainstreams und mitten am Nachthimmel. Sie erzählt von der vergangenen Deutschland-Tournee, dem Songschreiben und warum sie nicht auf den Mundart-Zug aufspringen mag.

Du hast mit Lunik letzten Herbst eine grössere Deutschland-Tournee gespielt. Wie hat sich Lunik in dieser Zeit entwickelt?

Es war für uns eine sehr wichtige und lehrreiche Tournee, nur schon weil wir tagelang jeden Abend spielten und damit als Band wirklich zusammenwuchsen. In der Schweiz spielt man ja meist von Donnerstag bis Sonntag und dann hat man drei Tage Pause... Im Tourbus ständig so nahe aufeinander zu sein und praktisch keine Rückzugsmöglichkeiten zu haben ist schon eine menschliche Herausforderung. Wir hatten aber letztlich sehr viel Spass miteinander, und Vorband von Liquido und Juli zu sein war eine tolle Herausforderung. Zudem ist das deutsche Publikum sehr angenehm.

Was ist für dich ein guter Song?

Ein guter Song muss mich primär berühren. Dabei spielt es nicht so eine Rolle, ob er die Musik neu erfindet oder zum tausendsten Mal Beatles-Chords aneinander reiht. Ich bin nicht der theoretische Typ, mag schöne Melodien und mache alles vom Gehör und Herz aus. Ich finde es wichtig, dass ein Song ehrlich herüber kommt und nicht gekünstelt wirkt.

Wie sieht bei Lunik der Songschreibe-Prozess aus?

Meistens kriege ich von Luk ein Playback, schreibe eine Gesangsmelodie und einen Text dazu und nehme es bei mir im Homestudio auf. Wir schreiben beide lieber allein im dunklen Kämmerlein. Erst wenn das Skelett des Songs da ist treffen wir uns mit der Band und tüfteln zusammen dran herum. So entstehen dann neue Songelemente... Genau an diesem Punkt sind wir zurzeit. Wir haben wieder Unmengen an Songs geschrieben und müssen uns nun für die besten entscheiden. Das ist für mich jeweils der schwierigste Moment. Ich könnte jedes mal eine Dreifach-CD herausbringen, weil mir jeder Song so ans Herz gewachsen ist.

Wie entstehen deine Songtexte?

Meistens aus der Ruhe und Nachdenklichkeit heraus. Plötzlich habe ich eine Geschichte oder eine Metapher im Kopf oder versuche gezielt die Stimmung, in der ich mich gerade befinde, einzufangen und zu umschreiben. Manchmal sitze ich im Zug oder, wie letztes Jahr, im Tourbus. Dann lege ich die Idee beiseite und denke sie immer mal wieder durch. Wenn ich dann das nächste Mal im Studio sitze, schreibt sich der Text von selbst. Wenn ich Glück habe, liegt ein Playback von Luk vor, zu dem sich eine Melodie mit dem Text in meinem Kopf zusammenfügt. Ansonsten warte ich auf die nächste Eingebung oder greife selbst zur Gitarre. Ich schreibe nie Texte und Melodien unabhängig voneinander - das muss gleichzeitig und aus einem Guss entstehen.

In der Schweiz ist das Geldverdienen als (Pop-)Musiker/in nicht das einfachste der Welt. Was hast du dazu zu sagen?

Ich bin glücklich, dass dies für mich kein leidiges Thema mehr ist. Ich habe lange Zeit in Bars oder Shops gejobbt, um mich über Wasser zu halten. Mittlerweilen kann ich von der Musik leben. Ohne Swimming-Pool und Luxuswagen, aber es geht gut. Ich verstehe jeden, der irgendwann aufgibt – es ist ein wirklich steiniger Weg. In der Schweiz hat ein Musiker das geringere Ansehen als jeder andere Büezer. In einer Band zu singen, die Lieder in Englisch schreibt und neben dem Mainstream vorbeizielt, macht die Sache auch nicht gerade einfacher. Mit Nischenmusik Geld zu verdienen ist überall auf der Welt hart, aber in einem kleinen Land wie der Schweiz mit einem winzigen Musikmarkt... da geht es nicht darum, ob man gut ist oder nicht. Es braucht schlicht und einfach den Lotto Sechser: den Hit. Zum Glück gibt es Instanzen wie die Suisa, die sich um die Rechte der Musiker kümmern und einem zur Seite stehen, wenn Fragen auftauchen.

Seit einiger Zeit herrscht ein Mundart-Hype – im Hip-Hop, Pop und Rock. Warum singst Du nicht auf Schwyzerdütsch?

Ich fühle mich ganz einfach wohl in Englisch Texte zu schreiben. Bis jetzt hatte ich nie das Bedürfnis in Berndeutsch zu singen. Das kann sich ändern, aber für den Moment ist es gut so. Es ist mir wichtiger Gefühle und Stimmungen zu schaffen als konkrete Meinungsinhalte herüberzubringen. Wenn sich jemand wegen meinen Songs verstanden und besser fühlt, dann ist das natürlich wunderschön für mich, aber ich möchte meine Gefühle und Gedanken niemandem aufdrängen.

Was war dein eindrücklichster Moment auf der Bühne in letzter Zeit?

Letztes Jahr bei einem Konzert in Bremen sang ich “Through your eyes” und einem Mädchen in der vordersten Reihe liefen die Tränen nur so runter. Zwei Songs später, als wir eine Uptempo-Nummer spielten, sah ich sie tanzen, mitsingen und lachen. Das hat mich sehr berührt. Das sind die Dinge, die dich vor dem Einschlafen fragen lassen, wer dieser Mensch wohl sein mag und was ihn so traurig gemacht hat.

Wenn du eine Zeitmaschine hättest - wohin würdest du dich katapultieren? Mit wem würdest du ein Duett singen wollen?

Vielleicht mit Johnny Cash? Das wäre schön. Andererseits fühle ich mich im Hier und Jetzt eigentlich ganz wohl...


weitere Infos
www.lunik.com
www.jaelonline.com

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